Besichtigung Koenig & Bauer

It´s a long long way to Tipparary war einmal ein Lieblingslied britischer Soldaten; ein langer Weg auch für uns; seit März 2018 bemühte sich unser 1. OL Manni Stein (OL heißt leider nicht Oberstleutnant) um einen Termin zur Führung und Betriebsbesichtigung bei Koenig und Bauer.

Unser 2. OrgLtr Bertram Bald und Mitarbeiter bei Koebau hat es in die Wege geleitet und entsprechende verantwortliche Personen in der Firma interviewt und die Betriebsbesichtigung somit möglich gemacht. Ansprechpartner Michael Bender hat dann einer Führung für den PCW grünes Licht gegeben.
Die Führung und Betriebsbesichtigung war für den 24.10.2018 terminiert; gleich auf Anhieb meldeten sich 24 Personen aus Sänger- und Fördermitglieder zu diesem Event an. Schon frühmorgens kurz vor 09.00 Uhr trafen wir uns vor den Werkstoren, besser gesagt im Foyer des neuen Verwaltungsgebäudes. Unter Berücksichtigung der neuen DSGVO übergaben wir mit Zustimmung der Teilnehmer eine Namensliste an Koebau.

Ein etwas älterer Herr begrüßte uns im Hause Koebau. Er stellte sich als Erwin Wald und langjähriger Ausbildungsmeister vor. Er arbeitete 50 Jahre bei Koebau und später nach dem Arbeitsende bis vor ca. zwei Jahren als Dozent an der IHK im Bereich Gießerei, Schweißen und Drehen. Er begann seine Erklärungen im Bereich des Museums von Koebau, wo die ersten Druckmaschinen ausgestellt waren. Wir erfuhren, dass Friedrich Koenig und Andreas Sauer die beiden führenden Köpfe waren, wobei Friedrich Koenig mehr der Denker und Inspirator und Andreas Sauer mehr der handwerkliche Typ war. Zu Beginn hörten wir viel über die Historie, Geschichte und Entwicklung bei Koebau. 1817 war Friedrich Koenig zunächst in England, wo es bereits Druckmaschinen gab.

Am 9. August 1817 unterzeichneten der Bauernsohn und gelernte Drucker Johann Friedrich Gottlob Koenig und der Techniker Andreas Friedrich Bauer in London einen Gesellschaftsvertrag und legten damit den Grundstein für die älteste Druckmaschinenfabrik der Welt. In dem Kloster Oberzell bei Würzburg wurde diese erste Schnellpressenfabrik eingerichtet. 1828 wurde in der ehemaligen Klostermühle der aufgelösten Abtei Münsterschwarzach ein zweiter Standort eingerichtet. Mehrere andere Firmen wurden nach und nach in den Konzern KBA (Koenig und Bauer und Albert) aufgenommen, zur Zeit wird in mehreren Standorten in Deutschland produziert und die Druckmaschinen werden weltweit vertrieben. (Quelle Internet).

Etwa um 1910 wurde von der einen Mainseite auf die andere gewechselt und der Grundstein für die heutigen Anlagen gesetzt, weil die Voraussetzungen vom Fluss und der neu gebauten Eisenbahnlinie gegeben waren. Hier im Museum war der Start für die Führung bei Koebau. Nach dem geschichtlichen Rückblick gingen wir als erstes in die Gießerei. Wir erfuhren alles über die Herstellung des Stahles, welche Stoffe der Herstellung zu- und beigemischt werden und welches Mischungsverhältnis zu beachten ist.

Wir hatten einen guten Zeitpunkt erwischt und konnten sehen, wie eigens für uns aus dem einem Ofen 1500 Grad heißer Stahl in eine Wanne geleitet wurde und wie der dann noch vorbereitet wurde, bevor er in eine  Form gegossen wurde. Diese Wanne hatte ein Fassungsvermögen von sechs Tonnen. Wir erfuhren auch ganz genau, welche zusätzlichen Aufgaben und Vorarbeiten getroffen werden mussten,  bevor der flüssige Stahl in so eine Form gegossen wird. Die Formen werden nach Angaben des Kunden vom Konstruktionsbüro am Computer erstellt.

Auch in ziemlichen Abstand von diesem Geschehen spürten wir die Hitze und Gerüche, die davon ausgingen. In diesem heißen Sommer waren in der Gießereihalle manchmal bis zu 60/70 Grad Temperatur, Abluft oder so etwas gibt’s halt nicht. Koebau verarbeitet täglich fast 400 Tonnen Kohle. Aus Sicherheitsgründen trugen wir beim Besuch der Gießerei alle einen Schutzhelm. Nach der Gießerei kamen wir in eine hellere, freundlichere Halle, wo normales Arbeiten angesagt war. Hier waren viele Bearbeitungszentren, wie es bei Koebau im Jargon heißt. Die gegossenen Teile kommen dann in diese Halle um weiter verarbeitet zu werden. Hier werden Metallrohlinge bearbeitet, es wird geschliffen, gebohrt, gesägt, gefräst und den Metallteilen, die zur Fertigung einer Druckmaschine gebraucht werden, das Aussehen zu verleihen.

Die Bearbeitungszentren sind große Gebilde, containergleich mit Glasfenstern. Die Maschinen haben einen rotierende Arbeitsarm und mehrere Arbeitsköpfe, die je nach Bedarf mit Bohrern, Fräsmaschinen, Entgratungsmaschinen  und Schleifköpfen bestückt sind. Von diesen Anlagen gibt es ca. 80 Stück bei Koebau. Nach vorgegebener Computersteuerung werden dann an der richtigen Stelle Gewinde angebracht und feste Teile herausgefräst uvm. In den dazugehörigen Werkzeugwägen sind entsprechend die Utensilien vorbereitet.

In einer der nächsten Hallen sieht man schon fast fertige Druckmaschinen stehen, in der die gesamte Technik wie Papierzufuhr, Hydraulik, Elektronik und viele andere Bauteile schon zusammen in einem Gehäuse zusammengefasst sind. Viel Zubehör wie Elektromotoren, verschiedene Kabel liegen griffbereit in Kisten neben den Arbeitsplätzen. In der nächsten Lagerhalle ist die Logistik untergebracht. Sechs Reihen Regale, allesamt viele Meter hoch, beinhalten alle benötigten Einzelteile. Durch Computersteuerung holt dann ein Aufzug, der sich auf einer Schiene bewegt, nach oben und unten, vor und zurück fährt, den gewünschten Gegenstand mitsamt der Kiste aus dem Regal und legt ihn auf einem Förderband ab, das dann auf Knopfdruck in die Montagehalle fährt. In einem der Regalhallen gibt es ca. 75.000 Kisten und in einem anderen ca. 39.000 Kisten.

In einer weiteren Montagehalle probiert Koebau gerade eine neue Versuchsmaschine aus. Hier werden z. B. farbige Plakate, Prospekte oder auch Kartons gedruckt. Zur Produktpalette des Unternehmens gehören Druckmaschinen für Bogenoffsetdruckmaschinen z. B. Bogenoffset-Großformat, Banknotendruck und Wertpapierdruck, Zeitungsdruck und Akzidenzdruck sowie Blechdruck. Rollenoffsetdruckmaschinen (vor allem Zeitungsdruck), Bogenoffsetdruckmaschinen (z. B. Plakate und Verpackungen), Wertpapierdruckmaschinen (Stahlstich) inklusive Hologrammpressen; KBA ist Weltmarktführer bei Gelddruckmaschinen. (Quelle Internet). Wir erhielten von Herrn Bald viele viele Informationen über Herstellung, Zulieferung von Rohstoffen, Verarbeitung und was bei Koebau noch alles so dran hängt. Das Input war sehr vielseitig, man könnte über die Herstellung weitaus mehr schreiben. Doch für uns war es wichtig, einen Gesamteinblick über die Herstellung einer Druckmaschine zu erhalten und es war ganz wichtig zu erfahren, was am Rande noch für Arbeiten und Vorbereitungen zu treffen sind.

Nach ausgiebigen drei Stunden Führung und Besichtigung bei Koebau verabschiedeten wir uns von Herrn Wald. Er verstand es ausgezeichnet, uns durch seine nette Art und Weise, gute Rhetorik, gekrönt von einem fundamentalen Fachwissen, die Führung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Zum Schluss erzählte er uns noch einen vortrefflichen Witz: Österreicher haben einen ganz dünnen Draht erfunden; den wollten sie nun vermessen lassen. Nach Deutschland wollten sie ihn aber nicht schicken. Also schickten sie den Draht nach China mit der Bitte, den Draht zu vermessen. Nach zwei Tagen kam die Antwort dass der Draht zu dünn sei, ihn zu vermessen. Dann schickten sie den Draht nach Amerika mit der gleichen Bitte. Aber wieder kam die Antwort, dass der Draht zum Vermessen zu dünn sei. Nun schickten sie ihn nach Deutschland(vermutlich nach Würzburg zu Koebau). Nach einem Tag kam die Antwort: Draht vermessen, möchten Sie ein Gewinde drin haben?“ Nach der Betriebsführung trafen sich die meisten der Teilnehmer zum Schlusshock in der „Hafenschänke“ zum gemeinsamen Mittagessen.

 

Manfred Stein

 

 

 

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